Italienische Geschichten

Maria, ihm schmeckt’s nicht!

Buchcover zu Maria ihm schmeckst nichtSo, seit Ewigkeiten mal ein Buch gelesen. Aber eigentlich nicht aus eigenen Antrieb, sondern aus sanften Zwang. Dies entwickelte sich wie folgt:

Vor kurzem hatte ich Geburtstag und bekam viele Dinge von meinem Wunschzettel geschenkt. Unter anderem sogar ein Buch. Und man glaube es kaum, es ging nicht um Fotografie oder Computer. Doch damit nicht genug, ich hatte gerade die ersten sechs Seiten angeschnuppert, da mopste es meine Frau und las es innerhalb von zwei Tagen durch. Nun lag also dieses Buch auf unserem Wohnzimmertisch, bereits von meiner Frau gelesen und eigentlich mir geschenkt. Nun musste ich doch ran.

Das Buch heißt “Maria, ihm schmeckt’s nicht!” und wurde von Jan Weiler geschrieben. Jetzt fällt mir auch wieder ein, warum ich das auf dem Wunschzettel hatte: Vor knapp einem Jahr habe ich Weilers erstes Buch gelesen, “In meinem kleinen Land“. Dieses war ganz gut und dann dachte ich mir, warum nicht auch noch sein zweites Buch bei Gelegenheit lesen.

Zur Geschichte: Als der alte Ego des Romans mit der Heirat seiner Frau in eine italienische Familie heiratet, sind Eigenarten und Aufeinandertreffen der Kulturen vorprogrammiert. Bei den vielen Besuchen im italienischen Heimatdorf seines Schwiegervaters stolpert Jan Weiler über die diversen Besonderheiten seiner italienischen Verwandtschaftssippe.

Das Buch macht richtig Spaß zu Lesen. Das hat mehrere Gründe. Die eine ist sicher, dass nicht nur der (platte) Witz im Vordergrund steht, sondern die einzelnen kleinen Geschichten, die erzählt werden. Man merkt, dass nicht alles auf Komik getrimmt ist.
Der andere Grund ist, dass eigentlich Einblicke in eine italienische Sippe gegeben werden soll. Das tut das Buch sicher auch. Aber gleichwohl bekommt man ein Spiegel vorgehalten, wie deutsche Verhaltensmuster häufig aussehen.

Einen Höhepunkt hat der Roman sicherlich, wenn der Schwiegervater, das Bindeglied der Familie und der eigentliche, heimliche Held der gesamten Geschichte von seiner Kindheit und seinem eigenen Vater erzählt. Klingt zwar komisch, ist aber tatsächlich so.
Leider liegt dieser Höhepunkt nicht gegen Ende des Buches, sondern in etwa mittendrin. Es folgt zwar noch einige gute Geschichtchen, aber nicht mehr die großen Hightlights. Das ist auch schon der einzige Kritikpunkt.

Meine Empfehlung: Buch-Empfehlung
Empfehlung meiner Frau: Buch-Empfehlung

Manuel schrieb nachts am 28. April 2008 | in Bücher

Neuester Coup?

Der Schrecksenmeister

Buchcover zu der SchrecksenmeisterSo, endlich. Nach bereits einigen uneingehalten Ankündigungen und somit auch etlicher Verspätung ist das neueste Buch von Walter Moers im Handel erhätlich. Anfangs hieß es, es wird ein Fortsetzungsroman von einer bereits bekannten Figur aus einem der Vorgänger. Doch das Buch namens “Der Schrecksenmeister” spielt nur in der gleichen Welt, hat aber sonst keine Parallelen.

Zur Geschichte: Als Echos Frauchen stirbt, findet sich das sprechende Krätzchen schnell in der Gosse wieder. Ohne großartige Überlebenschancen in einer bekannterweise krankmachenden Stadt Swedlaya ist es bereits bald dem Tod geweiht und droht zu Verhungern.
Das Angebot des örtlichen Schrecksenmeister kommt in diesem Moment wie gerufen: Freie Kost und Logis im Schloss bei bestem Essen. Doch für einen hohen Preis: Zum nächsten Vollmond will der Alchimist dem Krätzchen das Körperfett für eine sehr komplizierten Experimente.

Was von der Story her zu Anfang als etwas seltsam klingt, liest sie sich amüsant und abwechslungsreich. Jedoch macht Moers einige Dinge meines Erachtens falsch, die ich in den anderen Büchern sehr gut fand: Er läßt sich viel weniger Zeit, die Charaktere zu entwickeln. So wirken diese nicht besonders tief, bei manche Beweggründe erscheinen nicht glaubhaft.

Auch setzt er mittlerweile einiges an Wissen aus der von ihm erdachten Welt Zamonien voraus. Orte oder Gegebenheiten werden erwähnt, ohne auf diese auch nur kurz einzugehen. Der Spannungsbogen nimmt nur lansgam zu. Speziell zur Mitte des Buches kehrt ein gewisser Schlendrian ein, der Lesefluß nimmt etwas an Fahrt ab.

Würde man hier aufhören, wäre die Kritik nicht besonders gut, ja sogar schlecht. Doch ich habe es selbst kaum geglaubt, Walter Moers kriegt noch die Kurve und legt einen fulminanten Schluss hin, der auch an seine Vorgängerbücher nicht heranreicht. Somit doch noch im Gesamten eine durchschnittliche Leistung.

Meine Empfehlung: Buch-Empfehlung

Manuel schrieb nachts am 01. Oktober 2007 | in Bücher

Science Fiction von 1957

Das Tal des Lebens

Buchcover zu Das Tal des LebensIm Januar berichtete ich im Rahmen einer Buchkritik von John Christopher (englische Wikipedia-Seite zum Auto)und seiner Science-Fiction-Buchreihe “Tripods”. Im Zuge dieses Buches bin ich auf die Suche nach weiteren Büchern vom gleichen Autor gegangen und stieß auf das aus dem Englischen übersetzte Buch “The Death Of Grass”. Die Beschaffung des Buches gestaltete sich, trotz des Alters, nicht besonders schwierig. Über eine der zahlreichen Gebrauchtbuchplattformen, in diesem Falles AbeBooks, für nicht mal fünf Euro und einem lesbaren Zustand.

Zur Geschichte: Als Nachrichten nach Großbritannien dringen, in Fernost seien die kompletten Reispflanzenbestände mit einem Virus befallen, der sie verdorren lässt, und hunderte Millionen Menschen dadurch sterben, nimmt die Zivilisation dies zwar erschrocken, aber doch distanziert zur Kenntnis. Im Laufe der Zeit befällt das Virus jedoch nicht nur Reispflanzen, sondern auch sämtliche Getreide- und Grasarten. Die öffentliche Ordnung und die Zivilisation drohen unterzugehen.

In diesen Tagen versucht John seine Familie zu seinem Bruder aufs Land zu retten. Dieser besitzt einen Hof in einem abgelegenen Tal und hat frühzeitig auf Rüben und Kartoffeln umgestellt. Doch ganz London ist auf der Flucht aus der Stadt, auf der Suche nach Nahrungsmittel…

Die Geschichte beginnt großartig: in die scheinbare Normalität des englischen Alltags schleichen sich langsam und immer stärker die Unsicherheit und der Schrecken ein. Die Nachrichten werden immer ernster, die Menschen immer besorgter.

In der Sprache im Buch und in der Handlung sind deutlich das Entstehungsalter zu lesen: Hauptpersonen sind Männer, Handys tauchen nicht auf und die Formulierungen sind gewählt, lassen sich aber gut lesen.

Im zweiten Teil des Buches verliert Christopher jedoch den weiten Blick der ersten Hälfte, es geht nun um die Dynamiken in der Gruppe. Leider ist dies nicht perfekt ausgeführt, manche Motive bleiben oberflächlich.

Meine Empfehlung: Buch-Empfehlung

Manuel schrieb nachts am 20. Juli 2007 | in Bücher

Kabarettisten zu Intelligenz

Gibt es intelligentes Leben?

Buchcover zu Gibt es intelligentes LebenAls Comedian hat mir Dieter Nuhr bisher immer ganz gut gefallen. Zwar nicht jede Pointe, aber doch seine Art, Dinge zu betrachten und mit oder über diese zu spaßen. Dabei geht es bei nur meist um die alltäglichen Dinge und dem Verhältnis der beiden Geschlechter zu- und untereinander.

Umso erstaunter war ich dann über den Titel von seinem neuesten Buch. Er will plötzlich über das Thema Intelligenz schreiben. Könnte doch ein bisschen kompliziert werden. Schreibt Nuhr nun plötzlich Sachbücher? Oder ist es am Ende gar nicht von ihm, sondern von einem Ghostwriter. Nichts von alledem. Tatsächlich schreibt er zu diesem Thema ganze 256 Seiten, jedoch in vermeintlich komischer Art und Weise. Hierfür hat er unter anderem verschiedene Länder bereist und brachte seine dabei gemachten Erfahrungen ein.

Tja, leider ist das Buch der volle Reinfall. Zwar nähert sich Dieter Nuhr mit dem direkten Vergleich von Religionen, Kulturen, Länder, Sitten und Natur dem Thema durchaus interessant an. Allerdings springt er dabei ständig von einem Standpunkt zum anderen, bei jedem Absatz ist er schon wieder woanders. Und wozu das Ganze? Um an oberflächlichen Differenzen ein paar Lacher abzusahnen. Was in einem Bühnenprogramm im Fernsehen funktioniert wirkt in Buchform absolut lächerlich. Die Überschriften der Kapitel suggerieren eine Unterschiedlichkeit in deren. Jedoch wiederholt er sich ständig in seiner “Argumentation”. Für mich ist das Buch durchgefallen.

Meine Empfehlung: Buch-Empfehlung

Manuel schrieb abends am 18. Juni 2007 | in Bücher

Deutschland ist schön

Hach, war Pfingsten schön. Jedenfalls meine letzte Woche, die ich Urlaub hatte. Obwohl sie völlig anders verlief, als ich sie mir vorgestellt hatte. Es fing alles damit an, dass ich mir für die acht freien Tage (ich hatte bereits ab Freitag letzte Woche frei) nur die Steuererklärung und das Setzen von einigen Randsteinen im Garten vorgenommen hatte. Eigentlich ein übersichtliches “Programm”.

Aber es kam anders. Aus dem zweiten Punkt, dem Setzen der Randsteine wurde es dann doch etwas mehr: Aufrüstung der äußeren Wärmedämmung im Fußsockelbereich, einbuddeln von Wassersteckdosen im Vorgarten und Pfalsterung sowie Erweiterung der Terasse. Und somit ist heute, am Sonntag, weder die Steuer noch das Gartenprojekt irgendwie in der Nähe der Fertigstellung, beziehungsweise Erledigung. Und das waren ja nur die Sachen, die ich unbedingt erledigen wollte. Das Bloggen und Fotografieren kam reichlich zu kurz. Deshalb also heute mal wieder ein Blogeintrag, in diesem Falle eine Buchkritik.

In meinem kleinen Land

Buch-Cover zu In meinem kleinen LandAls Wirtschafler muss ich meinen Hut ziehen vor Jan Weiler. Oder vor dessen Effizienz. Denn was liegt näher, als auf einer neunmonatigen Lesereise durch Deutschland über die einzelnen Auftrittsorte ein paar Zeilen zu schreiben, was einem so auffällt. Dies dann mit einigen persönlichen Geschichten und Anektoden gewürzt und zwischen zwei Buchdeckel gepackt, schon ist man fertig. Nicht schlecht.

“In meinem kleinen Land” ist Jan Weilers mittlerweile drittes Buch. Es liest sich sehr gut, man ist interessiert bei der Sache dabei, denn wann liest man schon mal etwas über Themen “wie sind wir Deutschen wirklich” und “wo ist Deutschland am schönsten”. Viele Städte werden genannt, aus Franken und Bayern leider nicht so viele, in unserer Umgebung sind dies Erlangen und Bamberg. Leider ist es erschreckend, wie wenig an dem einen Tag bei Herrn Weiler von Erlangen rüberkam und hängengeblieben ist.

Mehr als amüsant sind jedoch seine Randnotizen und Beobachtung des Alltages. Hier konnte ich mich einiger Lacher nicht erwehren. Durch die relativ kurzen Kapitel lässt sich das Buch häppchenweise genießen. Eine zusammenhängende Story über mehrere Kapitel entsteht jedoch selten.

Meine Empfehlung: Buch-Empfehlung

Manuel schrieb nachmittags am 10. Juni 2007 | in Bücher

Kost für Zwischendurch

Resturlaub

Wer für seinen Pfingsturlaub noch Bücher sucht, weil er noch überhaupt keines hat oder noch ein paar extra benötigt, für den liefere ich heute noch eine kurze Buchkritik zu einen Roman, der einige Zeit in der Spiegel-Bestsellerlsite verbracht hat. Es ist bereits das zweite Buch von Tommy Jaud, namens “Resturlaub.

Buchcover zu ResturlaubZur Geschichte: Peter Greulich ist Franke, wohnt in Bamberg, ist Mitte dreißig und langsam der letzte seines Freundeskreises, der noch nicht geheiratet hat, aus der Stadt aufs Land gezogen ist und ein Haus mit einer Kiesauffahrt gekauft hat. Und dann steht auch noch der jährliche Urlaub auf Malle an, natürlich wie immer im gleichen Hotel mit den gleichen Leuten. Das kann doch nicht alles gewesen sein?

Resturlaub erinnert von seinem Titelhelden her ein bisschen an “Herr Lehmann” von Sven Regener. Er ist etwas verpeilt, nimmt das Leben nicht ganz voll und macht sich ständig seltsame Gedanken über seine Umwelt. Als ob das nicht für den Leser lustig genug wäre, reden die Figuren im Buch häufig Dialekt, sei es Fränkisch oder Schwäbisch. Natürlich gehört es zu einem solchen Buch dazu, dass die Handlung etwas chaotisch und wirr ist. Jedoch verfolgt man dies beim Lesen mit viel Amüsement.

Tiefgang sollte man aber nicht erwarten. Die Gedanken und die Story bewegen sich auf dem Niveau einer guten Vorabendserie. So ist das Buch auch bei einem durschnittlichen Lesetempo in zwei bis drei Tagen ausgelesen. Also ein nettes Häppchen für Zwischendurch, vielleicht zwischen zwei dicken Schinken, zum “Runterkommen” bestens geeignet.

Meine Empfehlung: Buch-Empfehlung

Manuel schrieb vormittags am 23. Mai 2007 | in Bücher

Entwicklung der Bilder

Wer kennt nicht das “Deutsche Museum” in München. Wir Jungen natürlich alle, haben wir doch unzählige Male die Flugzeuge, Autos, Raumschiffe und andere tolle Dinge in den Ausstellungshallen bewundert. Sicherlich waren auch ein paar Mädchen da, doch in meiner Kindheitserinnerung waren diese in der Minderzahl (was sich natürlich möglicherweise mittlerweile geändert haben könnte…). Deshalb nun für alle Fotografen und Interessierten am Medium Bild:

Im Deutschen Museum in München wird ab voraussichtlich 8. Mai die Ausstellung “Foto+Film” vollständig überarbeitet wiedereröffnet. Im Kern ist die Ausstellun eine Daueraustellung mit einer Fläche für wechselnde Sonderausstellungen. Mehr Infos dazu hier. Dazu passend auch zu diesem Thema ein Sachbuch, welches ich vor kurzem erst fertiggelesen habe.

50 Klassiker Photographen

Buchcover zu 50 Klassiker PhotographenDas Buch ist eines aus einer ganzen Reihe von Sachbücher zu unterschiedlichen Themenbereichen. Zur Zeit gibt es etwa 30 Stück davon. Der Aufbau ist verständlich und übersichtlich gehalten: Auf drei bis fünf Seiten wird jeweils eine Person beschrieben, mit der letzten Seite wir eine biographische Zusammenfassung und Informationen zum technischen oder sozialen Umfeld geliefert. Verweise auf lesenswerte oder sehenswerte Medien fehlen nicht und die Texte werden mit guten Bilden geschmückt. Eine Zeittafel im Klapenteil ergänzt das Ganze.

Welche Bücher ich mir sicher noch zu Gemüte führen werde: Architektur, Design, Comics, Erfindungen, Film und Unternehmen. Positiv ist auch, dass die Kapitel nicht zu umfangreich sind. denn wer liest ein Sachbuch schon am Stück oder setzt sich drei Stunden für ein einzelnes Kapitel hin? Mehr zu den Büchern beim Verlag.

Meine Empfehlung: Buch-Empfehlung

Manuel schrieb vormittags am 02. Mai 2007 | in Bücher, Fotografie

Das Wandern ist des Kerkelings Lust

Hape Kerkeling ist doch ein Ausnahmekomiker. Wie oft habe ich mir schon gedacht, ach alter Hut, wenn ich Hape in einem neuen Sendformat gesehen habe. Und dann diese seltsame Figur: Horst Schlämmer. Ein Typ, wenn man ihm auf der Straße begegnet unbewußt auf die andere Seite wechselt. Umso mehr überraschte mich sein Buch, in dem er über seine Pilgerreise auf dem Jakobsweg berichtet.

Ich bin dann mal weg - Meine Reise auf dem Jakobsweg

Buch-Cover zu Ich bin dann mal wegDer Jakobsweg beschreibt eine mitteralterliche stark begangene Strecke nach Santiago de Compostela. In dieser Stadt befindet sich das Grab des Apostels Jakobus. Wer den gesamten Weg geht, lässt gut 600 Kilometer hinter sich, der Weg gilt jedoch auch als gepilgert, wenn man die letzten 200 Kilometer mit dem Fahrrad oder dem Pferd bewältigt oder die letzten 100 Kilometer per pedes nimmt.

Was mir völlig unbekannt war: Europa ist durchzogen mit regionalen und überregionalen Jakobswegen. Sehr schön zu sehen auf dieser Karte, bei Wikipedia (Artikel zum Jakobsweg). Und das ein “Weg” als UNESCO-Kulturerbe aufgenommen werden kann, war mir auch völlig unbekannt. Seis drum, zum Buch:

Liest man den Klappentext und den Titel des Buches, könnte man schnell meinen, das Buch ist einer der Wanderführer, die in letzter Zeit immer mehr Prominente veröffentlichen. Doch da liegt man falsch. Der Herr Kerkeling beschritt den Weg aufgrund gesundheitlicher Probleme und um ganz bewusst abzuschalten. Somit ist auch das Buch etwas ungewöhnlicher geraten und Hape bietet immer wieder tiefere Einblicke, ohne dabei zu privat zu werden.

Auch die Tatsache, dass eigentlich ursprünglich die Pilger den Weg beschritten haben, um Buße zu tun oder ihren Glauben zu stärken, findet sich im Buch wieder. Jedoch ist es, wie mittlerweile bei den Klöstern. Einkehren kann für gewisse Zeit jeder, Glaube an den einen Gott nicht vorausgesetzt. Und doch ist das der richtige Weg, denn Gott kann sich ja bekanntlich auf vielerlei Weise den Menschen offenbaren und nicht nur über die Wege, welche der Mensch festlegt.

Aber trotzdem scheint der Weg dem Hape Kerkeling nicht unbedingt das gezeigt zu haben. Zwar berichtet er von Glauben und einem Schöpfer, die Schilderung aber bleiben diffus und sind vermengt mit Glaubensrichtungen, wie dem Buddhismus. Auch das Kennenlernen von Pilgerfreunden und die landschaftliche Schilderung nehmen einen großen Part ein.

Klammert man den Punkt “Glauben” bei der Betrachtung des Buches aus (was ich ungern tue, da dies ja das Wesen der Jakobswege ist), bleibt also doch nur ein gewöhnlicher Reisebericht. Nett geschrieben, meist durchschnittlich spannend zu lesen, gelegentlich erheiternd, aber eben nicht mehr.

Meine Empfehlung: Buch-Empfehlung

Manuel schrieb abends am 17. April 2007 | in Bücher, Christsein

Fantastisch

Wilde Reise durch die Nacht

Cover zu Wilde Reise durch die NachtEine Buchkritik von Walter Moers hatte ich euch noch versprochen. Tja, allerdings erstmal das vorerst letzte Buch von Walter Moers, welches zur Zeit im Handel verfügbar sind (wer sich für die anderen interessiert, schau hier). Wobei “Wilde Reise durch die Nacht” rein gar nichts mit dem Kontinent Zamonien zu tun hat.

Allein die Ausgangslage für das Buch ist komplett anders. Moers verzichtet komplett auf eigene Illustrationen und konstruiert stattdessen eine Geschichte um die Illustrationen des französischen Zeichners Gustave Doré aus dem 18.ten Jahrhundert. Das Ergebnis lässt sich durchaus sehen: So werden die Illustrationen seitenfüllend an der jeweils betreffenden Stelle abgedruckt und laden zum Studium der sehr detailverliebten Bilder.

Das Buch ist schnell gelesen, aber nicht nur durch die geringe Seitenzahl von gut 200, sondern hauptsächlich durch die sehr spannende Geschichte. Moers und der Leser begleiten den 12-jährigen Gustave durch seine Traumwelt, in der er mehrere harte Aufgaben lösen muss. Auch wenn der Betrachtungswinkel des Hauptdarstellers eher von einem pubertierenden Teenie ausgeht, sind die Beschreibungen von einzelnen Szenen gelegentlich zu direkt, um das Buch als Kinderbuch gelten zu lassen.

Spätestens wenn man an ein oder zwei Tagen das Buch rasch durchgelesen hat, wird man sich wünschen, Walter Moers hätte die Story etwas mehr ausgebaut. Im Rückblick hält sich der Autor sehr sklavisch an die Bilder, was auch mein einziger Kritikpunkt an “Wilde Reise durch die Nacht” ist und mich von der Vergabe einer Höchstwertung abhält.

Meine Empfehlung: Buch-Empfehlung

Manuel schrieb vormittags am 29. März 2007 | in Bücher

Bücher leben

Die Stadt der träumenden Bücher

Buch-Cover zu Die Stadt der träumenden BücherNachdem ich in letzter Zeit angefangen habe, die Bücher von Walter Moers zu lesen (1, 2), folgt hier nur die Kritik zum vierten Buch aus dem Reich Zamonien, “Die Stadt der träumenden Bücher”.

Das gut 450 Seiten fassende Buch aus dem Jahr 2006 hat wieder ein Charakter als Hauptdarsteller, welcher in den vorigen Romanen bereits einige Male Erwähnung fand: Hildegunsst von Mythenmetz, ein schriftstellernder Lindwurm, der zu einem der bedeutenden Schriftsteller von Zamonien gehört. “Die Stadt der träumenden Bücher” erzählt von Hildegunst Jugendjahren (im Buch ist er gerade einmal 77 Jahre alt, für Lindwürmer geradezu ein Jungspund), bevor er überhaupt ein eigenes Werk geschrieben hat.

Alles beginnt in der Lindwurmfeste, eine Hochburg der Schrifsteller und mit dem Tod von Hildegunsts Lehrmeisters. In dessen Nachlass findet Mythenmetz ein Manuskript von höchster Schreibqualität. Völlig von den paar Seiten Papier vereinnahmt, macht er sich auf die Reise nach Buchhaim, DER Stadt für Verleger, Dichter, Autoren, Antiquariate, um den geheimnisvollen Fremden und Schöpfer des Manuskriptes zu finden. Natürlich läuft die Suche jedoch nicht wie erwartet.

Auch zu diesem Buch muss man sagen: Respekt. Sowohl der Hauptcharakter als auch die neuen Detail zu Zamonien, Buchhaim und den neu vorgestellten Geschöpfen fügen sich nahtlos in das bisherige Zamonien-Bild ein. Obwohl ich mit dem Buch bereits die dritte Reise durch Zamonien mache (Blaubär und Rumo), ist das Buch doch wieder anders. Und eigentlich nur durch einen simplen Trick: Hildegunst von Mythenmetz ist eher von ängstlich-zurückhaltender Art, nicht der Abenteurer. Somit betrachtet er und ich die Welt um ihn herum und die Geschehnisse mit ganz anderen Augen.

Dabei passiert in diesem Buch nicht unbedingt weniger, sondern mehr, die Schlagfolge ist höher. Deshalb ist meiner Meinung dieses Buch ein würdiges Werk in der oben erwähnten Reihe der Erzählungen zu einzelnen Charakteren aus Zamonien. Wünschenswert wäre nun ein Buch über die “Jugendjahre” von Prof. Dr. Abdul Nachtigaller oder eine genauerer Bericht zu den Zwergpiraten.

Nun, laut Amazon soll das nächste Buch “Der Schrecksenmeister” soll im Herbst erscheinen. Welches Jahr ist noch unklar. Nein, Spaß beiseite, der Termin wurde schon mehrmals verschoben, man wird sehen, wann das Buch rauskommt.

Meine Empfehlung:Buch-Empfehlung

Manuel schrieb nachmittags am 06. März 2007 | in Bücher

Neues aus Zamonien

Wider Erwarten habe ich es doch dem nächsten Weihnachtsfest geschafft, die nächsten Bände der Zamonien-Bücher von Walter Moers zu lesen. Dies gelang mir nur durch hartes und konsequentes Lesen auf meinen zehn minütigen Zugreisen morgens und abends als auch in den Wartezeiten (teilweise länger als die eigentlichen Zugfahrten :-().

Für die nicht so regelmäßigen Leser meines Blogs: Ende Dezember habe ich endlich mit dem Lesen des ersten Romanes aus dem Reich Zamonien von oben genannten Schriftstellers angefangen, “Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“. Das Buch war ganz gut, deshalb machte ich mich ziemlich zügig daran, die weiteren Bücher von Walter Moers zu dem Thema zu lesen.

Die von mir eingeschlagene Lesereihenfolge der bisherigen Zamonien-Bücher empfehle ich auch jedem Neueinsteiger. Diese wären wie folgt:

  1. Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär
  2. Rumo und Die Wunder im Dunkeln
  3. Ensel und Krete

Neben den drei genannten Büchern gibt es auch noch andere Roman mit ähnlichem Hintergrund. Diese werde ich in nächster Zeit vorstellen. Doch nun erstmal die Kritiken zu den beiden letztgenannten Büchern.

Rumo

Buchcover zu RumoMit dem Hauptcharakter in diesem Roman wählt der Autor eine Figur, die mir aus dem ersten Buch bereits als Nebenfigur bekannt: Rumo, ein Wolpertinger und von Beruf der Leibwächter des zwielichtigen Unterweltbosses Volzotan Smeik. Was ist ein Wolpertinger? Wikipedia beschreibt ihn wie folgt:

Der deutsche Schriftsteller Walter Moers, gab in seinem Werk “Rumo & Die Wunder im Dunkeln”, dem Wolpertinger ein neues Aussehen. Dabei handelt es sich aber um einen zamonischen Wolpertinger. So sind in seinem Werk die Wolpertinger eine Mischung aus Wolf und Reh. Somit besitzen Sie die Angriffslust und Stärke eines Wolfes aber sind grazil und beweglich wie ein Reh.

Das Buch beschreibt jedoch die Kinder- und Jugendjahre von Rumo: Seine Herkunft, die Verschleppung durch Zyklopen, die Suche nach dem silbernen Geruchsfaden, das Finden und Leben in der Wolpertinger-Stadt “Wolperting” und einige weitere Abenteuer.

Walter Moers beschreibt dabei das Wachstum und die Entwicklung von Rumo sehr detailreich und lebhaft. Frei von den Zwängen, erst einmal die Welt Zamonien beschreiben zu müssen, entwickelt sich die Handlung im ersten Teil viel schneller und ereignisreicher fort, als in die “Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär”. Es macht Spaß, den Reisen und Ereignissen des jungen Wolpertingers zu folgen.

Erst zur Mitte des Buches, als Rumo in die “Untenwelt” vorstößt und der Autor zwangsläufig die “neue” Umwelt beschreiben muss, verlangsamt sich die Handlung etwas, nimmt aber zum letzten Drittel sehr dynamisch an Fahrt auf. Im Vergleich zum ersten Buch der Zamonien-Welt ist “Rumo und Die Wunder im Dunkeln” spannender und schneller zu lesen. Zwei Empfehlungen seien eventuellen Lesern mitgegeben: Das Buch ist kein Kinderbuch, speziell der zweite Teil im Buch, die “Untenwelt”, ist sehr düster und die Handlung enthält teilweise für Kinder sehr brutale Szenen. Zweitens sollte unbedingt “Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär” vorher gelesen werden.

Meine Empfehlung: Buch-Empfehlung

Ensel und Krete

Buchcover zu Ensel und KreteMit “Ensel und Krete” werden sowohl von den Hauptfiguren als auch von der Art des Schreibens teils neue Wege eingeschlagen. Ensel und Krete sind zwei Fhernhachenkinder, ein kleinwüchsiges, harmoniebedürftiges Volk aus Zamonien. Die beiden sind aus früheren Bänden noch nicht bekannt.

Der Schauplatz des Abenteuers der beiden Fhernachen ist der “Große Wald”, in denen die Buntbären hausen und welcher als Urlaubsgebiet für Zamonien gilt. Als jedoch Ensel und Krete von den gesicherten Wegen abweichen und sich im Großen Wald verlaufen, erleben sie einiges.

Beim Lesen des dritten Buches muss man sich immer wieder klar vor Augen halten, dass “Ensel und Krete” eine Märchenparodie ist. Zusätzlich simuliert Walter Moers im Roman, als ob das Buch von ihm “nur” aus dem zamonischen vom Großautor “Hildegunst von Mythenmetz” übersetzt wurde. Das Buch beinhaltet außerdem immer wieder Einschübe von Kommentaren von Hildegunst von Mythenmetz.

Um es klar zu sagen: Das Buch ist sicherlich nicht schlecht, jedoch sprachen mich weder die stilistischen Mittel der Einschübe und der Übersetzungssimulation an, noch trat die Veralberung des Märchens so klar zu Tage, als dass ich diese als witzig empfunden hätte.

Meine Empfehlung: Buch-Empfehlung

Manuel schrieb vormittags am 11. Februar 2007 | in Bücher

Das Ende der Menschheit

Meine Buchkritikreihe kurz nach Weihnachten setze ich mit einem Roman fort, der tagesaktuell zu einer Meldung passt und gleichzeitig vor kurzem in den Kinos war.

Buchcover - Im Land der leeren HäuserIn dem Buch “Im Land der leeren Häuser” geht es um die nahe Zukunft, in der plötzlich von einem Jahr auf das andere keine Kinder mehr geboren werden. Diese Geschichte diente als Skriptvorlage für den Film “Children of Men” (imdb.com, Kritik bei Sebbi) mit Clive Owen in der Hauptrolle. Dazu passen auch der Artikel auf tagesschau.de: “In Deutschland leben immer weniger Menschen“, wodurch das Thema sein Brisanz bezieht.

Zur Geschichte: Im Jahre 2027 hat die Menschheit die Zeugungskraft verloren und läuft in einem letzten anarchistischen Aufbäumen dem eigenen Aussterben entgegen. Die weltweite Suche nach noch zeugungsfähigen Menschen, sowie die Forschung erlahmen. Große Teile der Insel sind von Wald bedeckt, viele Straßen von Gras überwuchert. In England, unter der Regierungsherrschaft eines Despoten, scheint die Welt noch in Ordnung zu herrschen, aufrechterhalten allerdings durch eine allgegenwärtige Geheimpolizei.
Mittendrin: Theo Faron, ein desillusionierter und in sich zurückgezogener Geschichtsprofessor. Als eines Tages eine fünfköpfige Dissidentengruppe bei ihm anklopft, beginnt für Theo eine Reise in das Ungewisse.

Man merkt am Schreibstil des Buches, dass Frau James üblicherweise andere Bücher schreibt und sie etwas älter ist. Das Buch entstand 1992, zu der Zeit war die Schriftstellerin bereits 72 Jahre alt. Schaut man sich ihre anderen Publikationen an, sind dies überwiegend Krimis mit einer soliden Story. Die Sätze und Kapitel sind getragen geschrieben, die Autorin nimmt sich viel Zeit bei der Beschreibung des Hauptcharakters. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen wirkt das Buch sehr stark auf mich: Immer, wenn in ein paar Randbemerkungen der Wandel der Gesellschaft beschrieben wird, die Theo gelegentlich streifen, liest man unwillkürlich schneller und ist wie gefesselt.

Es ist schwer, über das Buch zu schreiben ohne zuviel vom Inhalt zu verraten. Zu berichten ist, dass der Film in einigen wesentlichen Punkten abgewandelt wurde: So gibt es in der Usprungsgeschichte zum Beispiel keinen Rebellenuntergrund, sondern nur ein Häufchen von fünf Personen, die Zustände in England sind nicht kriegsähnlich, wie im Film gezeigt. Und obwohl diese beide beispielhaften Punkte sicherlich zur Dramaturgie der Handlung beitragen, fehlen sie im Buch eigenartigerweise nicht.

Und so empfand ich das Taschenbuch mit seinen 368 Seiten als sehr angenehm anderen Science-Fiction-Roman mit seinem ganz eigenen Reiz.

Meine Empfehlung: Buch-Empfehlung

Manuel schrieb frühmorgens am 09. Januar 2007 | in Bücher
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